Kryptografie

Verschlüsselung ist gerade im Anschluss an die NSA-Affäre zu einem wichtigen Thema geworden, um das viel gestritten wird. Einerseits soll ihre breite Anwendung gefördert werden, um trotz einer umfänglichen Überwachung digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien durch Staaten und Unternehmen gewisse Standards für Datenschutz und Informationssicherheit halten zu können. Andererseits argumentieren Sicherheitsakteure wie Polizei und Geheimdienste für die Notwendigkeit der entschlüsselbaren Kommunikation, um die innere Sicherheit zu gewährleisten. Trotz des positiven Bildes, welches gerade in Diskursen des Datenschutzes über Kryptografie gezeichnet wird, handelt es sich bei Verschlüsselungssystemen um ambivalente Technologien, welche ebenso zum Zweck der Verschleierung von Straftaten eingesetzt werden können. Zudem beleuchten Debatten um den Einsatz kryptografischer Systeme häufig nur in geringem Maße, dass diese zwar Kommunikationsinhalte verbergen können, nicht jedoch die ebenfalls sensiblen Metadaten, welche bei der Kommunikation anfallen.

Im Rahmen der digitalen Kommunikation schafft Verschlüsselung erst die Bedingungen dafür, dass sensible Informationen sicher übermittelt werden können.

Durch Verschlüsselung werden Informationen mithilfe komplexer mathematischer Verfahren so verändert, dass sie nur durch Anwendung des Schlüssels oder mit immens hohem Rechenaufwand wieder in ihre ursprüngliche und damit eine lesbare Form gebracht werden können. Kryptografie wird zum einen zur Absicherung von digitalen Kommunikationskanälen eingesetzt, zum anderen zum sicheren Speichern von Daten. Sie bietet eine Möglichkeit, digitale Informationen vor unberechtigtem Mitlesen oder Zugriff zu schützen und Informationssicherheit herzustellen. Kryptografie kann dabei als ein mögliches Mittel verstanden werden, um Privatheit zu erhalten bzw. (wieder) herzustellen, da sie zur individuellen Informationskontrolle eingesetzt werden kann sowie auch zur Reproduktion unterschiedlicher sozial entstandener Informationskontexte.

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Der Kampf zwischen Netzaktivisten, Unternehmen und bestimmten staatlichen Stellen über Verschlüsselung und ‚Generalschlüssel‘ wird in Zukunft weiter Fahrt aufnehmen.

Die (demokratisch) notwendige geheime Kommunikation von Bürger*innen und der staatliche Auftrag zur Strafverfolgung und Gefahrenabwehr stehen in einem Widerstreit. Dabei reichen die Positionen von der Forderung nach einem ‚Menschenrecht auf Verschlüsselung‘ bis hin zur Aussage, dass Staaten niemals blind sein dürfen und daher so genannte ‚golden keys‘ oder Generalschlüssel in kryptografische Verfahren eingebaut werden müssen. Der Fall ‚FBI gegen Apple‘ verdeutlichte 2015 einmal mehr die Aktualität dieser Diskussion, als das FBI versuchte, Apple zur Mithilfe zu verpflichten, um die Verschlüsselung des iPhones des Attentäters von San Bernardino zu umgehen.

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Wir töten Menschen aufgrund von Metadaten.

Michael Hayden, ehem. NSA-Direktor

Kryptografie spielt in einer Gesellschaft nicht nur eine rein technische Rolle. Sie kann zum Beispiel in autoritären Systemen vor Repression schützen und in beschränktem Maße Machtasymmetrien ausgleichen. Darüber hinaus ist Verschlüsselung Grundvoraussetzung für die heutige digitale Kommunikation und den Handel. Gleichzeitig dient Kryptografie auch dazu, unmoralische und illegale Tätigkeiten zu verschleiern und vor der Gesellschaft und dem Staat zu verstecken. Kryptografie ist deshalb weder per se ‚gut‘ noch ‚schlecht‘, sondern ethisch immer ambivalent und Gegenstand einer permanenten Diskussion und Bewertung. Zudem kann Kryptografie nicht alle sozialen Probleme der digitalen Kommunikation und ihrer Überwachung lösen. So fallen bei digitaler Kommunikation weiterhin ‚Metadaten‘ an – etwa über die Identität der Kommunizierenden und die Uhrzeit/den Ort der Kommunikation –, die umfassende Einblicke in das Leben von Menschen ermöglichen.

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