Was bedeutet Big Data?

Mit Big Data werden häufig nicht einfach nur große Datenmengen und Datenverarbeitungskonzepte bezeichnet, sondern eine neue Qualität der Datenverarbeitung und des Einflusses von Daten auf soziale Prozesse. Mit dem Konzept der Big Data soll die immer umfassendere Computerisierung und Verdatung der Welt gefasst werden. Dabei bezeichnet der Begriff nicht allein ein technologisches, sondern gleichsam ein kulturelles Phänomen.1 Es basiert auf dem „computational turn“, welcher sich in so gut wie jedem sozialen Feld abzeichnet: Computertechnologien wirken zusammen, bestärken sich und können immer größere, dynamische, sich verändernde sowie sowohl strukturierte als auch unstrukturierte Datenmengen in immer größerer Geschwindigkeit speichern, prozessieren, analysieren und verbreiten.2 Dabei umfasst Big Data beispielsweise personenbezogene Verhaltensdaten, Daten aus sozialen Netzwerken, Daten über persönliche Interessen und Einstellungen, demografische Daten, Standortdaten, Daten über Transaktionen und Kaufverhalten und vieles mehr.

Big Data bezeichnet deshalb zwar auch das Erfassen und Sammeln großer Mengen verschiedenster und möglichst umfassender (auch auf den ersten Blick unwichtig erscheinender) Daten und dies am besten in Echtzeit.3 Big Data ist jedoch nicht nur gekennzeichnet durch das Sammeln und die Vermischung und damit die Menge an Daten allein, die durch immer mehr Sensoren und datenbasierte Interaktionen anfallen. Entscheidend ist auch die durch technischen Fortschritt geschaffene Möglichkeit, diese Datenberge zu durchsuchen, Muster zu erkennen und zu analysieren. Das ‚Große‘ an Big Data ist daher v.a. die Fähigkeit, die Masse an gesammelten Daten zu speichern, in Beziehung zu setzen, zeitnah zu verarbeiten und daraus durch geeignete Algorithmen Muster zu finden und neue Erkenntnisse zu gewinnen.4

Big Data weckt Vorstellungen über den ‚mythischen‘ Charakter großer Datenmengen, aus denen Erkenntnisse über Sachverhalte und Ereigniszusammenhänge gewonnen werden können, die bis dato undenkbar waren. In diesem Zusammenhang werden über Big Data von manchen Akteuren sowohl soziotechnische Utopien einer smarten, nachhaltigen und hypereffizienten Informationsgesellschaft als auch Dystopien einer totalen Überwachungsgesellschaft gezeichnet.5 Daneben gibt es Positionen und Einschätzungen zu Big Data, die versuchen, den Problemgegenstand in seinem Ausmaß erst greifbar zu machen. Diese werden auf den weiteren Unterseiten dargestellt. Hierzu gehören der positive Fortschrittsglaube in Wissenschaft und Wirtschaft, aber auch die kritischen Stimmen aus der Algorithmenethik, die problematische Folgen von Big Data beleuchtet sowie die Schwierigkeiten, diesen Folgen zu begegnen.


  1. Boyd, Danah and Crawford, Kate (2012): „Critical Questions for Big Data: Provocations for a cultural, technological, and scholarly phenomenon“, Information, Communication & Society 15(5): 663. ↩︎

  2. Kitchin, Rob (2014b): The real-time city? Big data and smart urbanism. In: GeoJournal 79 (1), S. 1–14. ↩︎

  3. Kitchin, Rob (2014a): Big Data, new epistemologies and paradigm shifts. In: Big Data & Society 1 (1), S. 3. ↩︎

  4. Boyd, Danah and Crawford, Kate (2012): Critical Questions for Big Data, Information, Communication & Society 15(5): 663. ↩︎

  5. Welzer, Harald (2016): Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit. Frankfurt a.M: Fischer Verlag. ↩︎